Agile Testing Days 2013

01:10 André 0 Comments

Ich sitze gerade im Workshop von Gil Zilberfeld und habe Pause. Wir schreiben Software-Tests für die Waffensysteme und Schutzschilde eines Raumschiffs. Also eigentlich schreiben sie Dustin und Jakob, die ich gestern kennen gelernt habe und die Ahnung zu haben scheinen. (Insgesamt fehlt mir Erfahrung zum Thema Unit-Tests... Im Nachhinein schien es aber nicht allzu kompliziert zu sein.)
Es ist der zweite Tag der "Agile Testing Days 2013" in Potsdam, bei denen ich mich über eine freiwillige Beteiligung eingeschlichen habe, um Praxisluft zu schnuppern. Konkret übernehme ich also die Betreuung jeweils eines Raums, stelle den Redner und das Thema vor und sehe zu, dass keiner mit Stühlen schmeißt. Das erspart mir den etwas happigen Eintritt von 1850,- für alle drei Tage. "Happig" vor allem in Bezug auf die Qualität einiger Vorträge. "Das kann ich auch!", dachte ich hin und wieder und merke mir deshalb mal vor, nächstes Jahr selbst etwas einzureichen. Vielleicht gibt es dann ja auch schon relevante und interessante Forschungsergebnisse zu berichten. Außerdem ist die nächste Konferenz in Norwegen. - Und ich war noch nicht in Norwegen. :-)

Die Keynotes waren bis auf eine durchweg sehr gut. Der Running Gag der Konferenz ist es zudem seit letztem Jahr, in jeder Präsentation mindestens ein Einhorn einzubauen, weil es in einer damaligen Keynote auf die häufige Erwähnung der Phrase „in the real world“ einen sehr beliebten Tweet gab, der wohl ungefähr wie folgt lautete: „‘In the real world‘ - As opposed to what? – Unicorn land?“ Die Tiere flogen mal mehr, mal weniger animiert durch die Präsentationen. Daneben gab es auch einige Simpsons-, South Park (underpant gnomes) und Star Trek-Referenzen. Das war schon mal ein großer Unterschied zu den wissenschaftlichen Konferenzen, die ich bisher erlebt habe, die da doch eher steif sind. Scharlatane gibt es aber offenbar überall. Den Vogel hat aber ein Vortragender abgeschossen, der auf die Melodie von Christina Aguilera‘s (im Sinne der Konferenz: Christina Agile-Era) „You are beautiful“ einen komplett neuen Text gedichtet („My code is beautiful…“) und den Song mit Karaoke-Backing-Track live performt hat. – Ein echtes Highlight! (Ich notiere mir heimlich, unterhaltsamere Präsentationen vorzubereiten.)

Neben der Qualität der Vorträge scheinen es aber vor allem die Kontakte zu sein, die Leute auf solche Veranstaltungen treiben. Daher habe ich heute auch mit drei potenziellen Kooperationspartnern gesprochen. Vielleicht wird ja was draus.

Außerdem gab es wieder viel Denk-Input in den Vorträgen. Neben konkreten Konzepten und Ideen zu Agilität und Testen vor allem in Bezug auf Lesestoff, der teilweise in meiner Wunschliste und teilweise bereits im Bücherregal hinter mir darauf wartet, konsumiert zu werden. Ich denke, ich werde es mir langsam zur Gewohnheit machen (müssen), jeden Abend wenigstens noch eine halbe Stunde ein Buch zu lesen, um meine Freizeit-Leseliste langsam abzubauen. Momentan zerre ich Donald Millers „Eine Million Meilen in 1000 Jahren“ dahin.

Ich überlege darüber hinaus, ob man eine wissenschaftliche Arbeit (vom kleinen Konferenzbeitrag bis zur Dissertation) mit schlanken (Lean Management) oder agilen Vorgehensweisen organisieren oder zumindest mit einigen Werkzeugen oder Techniken optimieren kann.

Auf einen wesentlichen Punkt hat Peter Saddington gestern Abend in seiner Keynote hingewiesen. Die Frage, die man sich täglich stellen und die das eigene Handeln antreiben sollte, lautet demnach: Are you having fun? – Haben wir also Spaß bei dem, was wir tun? Bei derartigen Gedanken muss man bei vielen Vorträgen den amerikanischen Zuckerguss abziehen und dann nochmal genau hinsehen, was übrig bleibt. Doch hinter dieser grundlegenden Frage steckt definitiv Substanz. Und auch wenn das Thema einer Doktorarbeit nicht unbedingt für die Ewigkeit Bestand haben muss, sollte sie dennoch einen verwertbaren Beitrag für meine fachliche und methodische Wissensbasis darstellen.
Mittlerweile sitze ich im Zug kurz vor Brandenburg, spare mir also auch heute wieder die Konferenz-Abendveranstaltung (Networking mit Fingerfood und Bier; Gestern: Halloween-Party, Mentalist-Show, Cocktails) und wünsche eine schöne Restwoche!

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