Zugfahren und warum ich meinen Job mag
Ich sitze im Zug auf dem Rückweg von einer Konferenz. Der
Zug tut allerdings nicht das, wofür er gemacht wurde. Hauptsächlich steht er
nämlich. Manchmal zischt es. Ab und zu knackt es. Und praktisch dauerhaft
pfeift ein kalter Wind aus der Klimaanlage. Die offizielle Version zum
mittlerweile 30-minütigen Stillstand lautete schlicht „Polizeieinsatz“. Die
Gerüchteküche, die sich zwischenzeitlich im Zug entwickelt hat, spricht von
zwei betrunkenen Behinderten (bzw. „behinderten Betrunkenen“ – Keine Ahnung,
wie die Rangfolge hier politisch korrekt angegeben wird.), die sich in der
Bordtoilette eingeschlossen hätten. Handyempfang ist null, weil wir an
irgendeinem Bahnhof mitten in der Pampa gehalten haben. Da hätte ich mir meine
Irre-beeilen-um-einen-Zug-eher-zu-kriegen-und-früher-zu-Hause-zu-sein-Strategie
sparen und mich stattdessen noch eine Stunde am Konferenzort vergnügen können
(Hafenfest).
Der Zug rollt wieder. 55 Minuten
Verspätung. Die Dame kommt
rum und verteilt Entschuldigungszettel. Ich glaube, ich will auch einen haben.
Die Konferenz war sehr entspannt. Sehr breite, aber
interessante und praxisnahe Themen. Abendveranstaltung war ein Segeltörn auf
dem Lotsenschoner „Atalanta“. Parallel zu uns fuhr auch noch eine Kogge los.
Das ist so ein gewaltiges Wikingerschiff mit einem großen Segel und zwei Drehbassen
(kleine drehbare Kanonen). Unser Schiff war auch recht groß. Aber statt
Drehbassen und Riesensegel hatten wir Gulaschsuppe und Bier. Zwischendurch
gab‘s dann auch noch ne Runde Kurze. Und damit meine ich nicht die
Köchin…*Fremdschäm-Anlacher*
Danach ging’s noch in kleiner Gruppe weiter zum
Fußballgucken in eine Bar in der Innenstadt. Fußball interessiert mich immer
noch herzlich wenig, aber Pizza und Long-Island waren sau-lecker und so hab ich
die 90 Minuten auch rumgekriegt. Ein toller Ausklang des Abends. Danach mit dem
geliehenen Fahrrad zurück zur privat gemieteten Wohnung. Airbnb rockt. Freu
mich schon auf Paris, nächsten Monat. – Ich sag ja, cooler Job.
Habe jetzt auch einen Entschuldigungszettel (Polizeieinsatz,
55 Minuten Verspätung) und ein Formular zu den Fahrgastrechten. – Ich habe demnach
das Recht auf 25% Kostenerstattung, wenn der Zug – wait for it – 60 Minuten
Verspätung hat. Großes Kino, Deutsche Bahn. – Echt. Großes. Kino.
P.s. Offenbar hat die Deutsche Bahn jetzt auch ihre
Mitarbeiter mit QR-Code-Scannern geupgradet. Jedenfalls genügte den
Bahn-Kontrollettis auf meiner Hin- und Rückfahrt nur ein kurzer Blick auf den
komplexen Kästchen-Code auf meinem Smartphone, um die Rechtmäßigkeit meiner
Fahrt abzunicken. Ich schätze, dass die Scanner in die Netzhaut der Mitarbeiter
eingearbeitet wurden. Eine sehr nützliche Idee, wie ich finde.

Schön, dass Sie Ihren Job mögen. Meiner Meinung nach, eine der wichtigsten Voraussetzungen, um glücklich im Leben zu sein. Für mich ist die Zeitarbeit das Richtige. Dort lerne ich viele Leute kennen und bin flexibel. Liebe Grüße
AntwortenLöschen